Analysewaage / Körperfettwaage
Werte mit Sinn
Um den Sinn und die Chancen einer Körperfettwaage zu verstehen, sollten wir uns zunächst einmal erklären, was das denn eigentlich ist: »Körperfett«. Und auch die Frage, wozu wir das überhaupt benötigen, ist nicht ganz uninteressant. Die Bezeichnung »Körperfett« klingt so banal, dass man zwangsläufig ins Überlegen kommt, was das wohl sein könnte. Aber der Name sagt‘s doch: Es ist das Fett, das sich in unserem Körper befindet. (Obgleich es sich – exakter definiert – hauptsächlich um das Unterhautfettgewebe handelt).
Hätte auch jeder selbst drauf kommen können, oder? Ein gewisses Maß davon ist für jeden Menschen – und auch für jedes Tier – extrem wichtig. Ohne dieses Körperfett wären nämlich nicht nur die Organe in unserem ansonsten klapperigen Knochengestell äußerlichen Einwirkungen nahezu schutzlos ausgesetzt. Stöße, Schläge, aber auch Temperaturextreme würden direkt die sensitiven Organe erreichen und sie dementsprechend schädigen. Das Körperfett dient als Transmitter für fettlösliche Vitamine, und der menschliche Stoffwechsel wäre ohne einen Anteil dieser Körperfette undenkbar.
Dem Beispiel der Natur entzogen
Nun hat der Mensch leider verlernt, sich naturgegeben zu verhalten oder sich wenigstens ein Beispiel an der Natur zu nehmen. Die Tierwelt als Vorbild, das könnte funktionieren. Tiere leben im natürlichen Turnus der Jahreszeiten. Freilebende Tierarten nehmen mit ihrer Nahrung – sofern die zur Verfügung steht – exakt soviel Fette auf, wie sie zum Überleben benötigen. Wir kennen alle die Bilder von Bären, Siebenschläfern oder Robben, die sich während der nahrungsreichen Jahreszeit ein ausreichendes Fettpolster zulegen, um damit zu überwintern oder einfach über die kalte und nahrungsarme Jahreszeit zu gelangen. Diese Fettreserven halten sich jedoch in einem natürlichen Maß. Sobald sich der Frühling zeigt, sind die letzten Fettpolster aufgezehrt. Instinktiv reguliert die Fauna den Energiebedarf. Problematisch wird es für manche Gattung, wenn sich die Jahreszeiten aufgrund der globalen Klimaverschiebung nicht mehr im normalen Ablauf befinden. Dass in einigen Gegenden dieser Welt der Winter plötzlich später beginnt und dann zeitverschoben auch später endet, kann so mancher Instinkt noch nicht nachvollziehen, geschweige denn darauf reagieren.
Der Mensch hat sich als Lebewesen den natürlichen Zyklen und dem instinktiven Selbstverständnis entzogen. Er benötigt längst kein Fettpolster mehr, das ihn über einen harten Winter bringt. Er hat dadurch auch den Bezug zu seinen körperlichen Notwendigkeiten verloren – und das nicht erst seit Fast-Food-und-Co.
Der »zivilisierte« Mensch braucht seine Nahrung nicht mehr zu erjagen, auszugraben oder von den Bäumen zu pflücken. Er geht in den nächsten vollklimatisierten Supermarkt, schiebt einen Einkaufswagen vor sich her, um ja nichts tragen zu müssen. Dann setzt er sich in sein ebenso klimatisiertes Auto und fährt die sechshundertzweiundfünfzig Meter möglichst anstrengungsfrei nach hause. Dann schickt er die jubelnden Kinder los, um die Einkäufe aus dem Wagen zu holen. Und wenn er all diese anstrengenden Tätigkeiten hinter sich gebracht hat, geht er an den Kühlschrank oder setzt sich an den gedeckten Tisch, um mal richtig reinzuhauen. Ja, das hat er sich jetzt ehrlich verdient.
Aber der Körper versteht sich weiterhin als ein Stückchen Natur, auch wenn mit ihm längst nicht mehr natürlich umgegangen wird. Er erkennt beispielsweise Stress und legt sich als Schutz einen Vorrat an Körperfetten an. Er missversteht die Jahreszeiten und greift zum nächsten Buffet. Und letztlich versteht er auch die allgegenwärtige Bewegungsarmut als eine Art von Vorbereitung zum Überwintern.
Wäre vielleicht auch alles halb so schlimm, wenn man aus diesem Winterschlaf irgendwann erwachen würde. Aber die notwendige Verbrennung der Fette findet nicht mehr statt. Die Körperfette sind nicht mehr lebensrettend, sondern manchmal sogar lebensbedrohend. Es ist einfach zu viel geworden, unser Lebensrythmus ist frei von Bewegung und frei von den Extremen der Natur. Unreguliertes Fett ist die Ursache vieler Krankheiten und letztlich auch dafür verantwortlich, dass man sich in seiner Haut einfach nicht mehr wohl fühlt. Wollen wir in uns selbst wieder zuhause sein, müssen wir uns auf den Weg zu einem geregelten Stoffwechsel begeben und für eine Regulierung der Körperfette sorgen.
Allein die Kontrolle des absoluten Körpergewichtes hilft dabei wenig. So nutzt es beispielsweise gar nichts, den Körper so weit zu dehydrieren, bis er ohne jegliche Energie auf den nächsten Jo-Jo-Effekt reinfällt. Zwar hat man kurzzeitig ein paar Pfunde – Wasser! – abgenommen, vielleicht ist sogar ein wenig Muskelmasse flöten gegangen, doch das eigentliche Übel, der unausgeglichene Körperfetthaushalt, wurde nicht mal wirklich wahrgenommen.
Wie funktioniert die Körperfettwaage?
Es gilt also, eine korrekte Einschätzung des Körperfetts zu bekommen. Und die Technik ist da sehr weit. Die Körperfettwaage misst mittels Elektroden den Hautwiderstand. Üblicherweise sind vier Elektroden so auf der Tretfläche angebracht, dass jeweils zwei Pole einen Fuß berühren. Die Körperfettwaage macht sich die Tatsache zunutze, dass Fett- und Muskelgewebe einen unterschiedlichen Wassergehalt aufweisen. Das bedeutet zugleich einen voneinander abweichenden elektrischen Widerstand. Und eben den kann man messen und berechnen. Das tut die Körperfettwaage dann auch. Zuvor werden noch einige Daten der betreffenden Person eingegeben, wie zum Beispiel die Körpergröße und das Geschlecht. Und schon lässt sich der Fettgehalt des Körpers bestimmen.
Allerdings sind die Messergebnisse – insbesondere bei einfachen Körperfettwaagen – nur bedingt zuverlässig. Die elektrische Leitfähigkeit der Hautoberfläche soll für die Messung des Hautwiderstandes herhalten. Aber die Haut ist nicht immer gleich. Die Haut ist nicht immer trocken oder feucht. Die Leitfähigkeit variiert. Sei es durch übermäßiges Schwitzen nach sportlicher Betätigung oder Stress oder durch eine längere Zeit, in der man zu wenig getrunken hat, also dehydriert ist. Leicht können die Ergebnisse der Körperfettwaage durch solche Faktoren verfälscht werden. Um Missverständnisse und oberflächliche Ergebnisse zu vermeiden, sollte man tunlichst darauf achten, sich in einem normal ausgeruhten Zustand zu wiegen. Und dies sollte man häufig tun, um die Messergebnisse zu vergleichen und eventuelle Ausrutscher zu erkennen. Nur so lassen sich Fehlinterpretationen der vorliegenden Zahlen vermeiden.
Es gibt ein weiteres Problem, das sicherlich schneller nachvollziehbar ist: Wir haben soeben gehört bzw. gelesen, dass hier eine elektrische Spannung gemessen wird. Die soll eine Aussage für den ganzen Körper treffen. Was aber passiert, wenn hier nur sozusagen von einem Fuß zum anderen gemessen wird? Genau! Das bedeutet zwangsläufig, dass hier nur die Fettwerte im unteren Teil ihres Körpers berechnet werden – also: hüftabwärts. Dass der Mensch seine Problemzonen allerdings durchaus unterschiedlich auf seinen Körper verteilt, ist jedem bewusst.
Man stelle sich eine Person vor, die vielleicht sehr schlanke Beine hat, aber mit ihren Hüftrollen zu kämpfen hat. Die beschriebene Analysewaage hätte ein Problem. Was tun? Was im professionell-sportlichen genauso wie im medizinischen Bereich längst eingesetzt wird, gibt es mittlerweile auch bei Körperfettwaagen für den Hausgebrauch: Sie gehen einen entscheidenden Schritt weiter: Die »Vierpolmessung« findet außer an den Füßen auch an den Händen statt. Zwar werden die Werte weiterhin über vier elektrische Pole ermittelt (zwei an den Füßen und zwei an den Händen). Zumal nun die Ergebnisse aber aus einem viel größeren Bereich unseres Körpers abgeleitet werden können, gibt es auch eine weitaus größere Sicherheit für reale Körperfettwerte. Und genau das braucht man, um seinem Über- oder Untergewicht im wahrsten Sinne des Wortes »zu Leibe zu rücken«. Versteckspiel war gestern – sinnvolle Körperkontrolle ist heute.