Mechanische Personenwaage (Analogwaage)

Simpel, funktional und in schlichtem Design zeigt sich die klassische, mechanische Peronenwaage. Aber keine Angst, die Versionen und Modelle sind mittlerweile geradezu zahllos. Irgendwie hat wohl jeder noch dieses Bild der alten, metallenen Waage aus Omas’ vertrautem Badezimmer in der Erinnerung. Das ist lange her. Das Prinzip, nach dem Omas’ mechanische Waage funktionierte, war allerdings das selbe, das sich auch in den Nachkommen zeigt. Nicht in Omas’ Nachkommen, so war das nicht gemeint, sondern vielmehr in den Nachkommen der alten, klapprigen Waage.
Wie geht das?
Das Prinzip nennt sich »Gewichtskraftmessung« und hört sich sehr physikalisch an. Kein Wunder, das ist es auch. Aber nicht alle Physik ist schwer. Unter »Gewichtskraftmessung« versteht man die lineare Auswirkung eines Gewichtes auf einen definierten Gegenpol. Und das soll nicht schwierig sein? Nicht erschrecken, es geht auch verständlicher: Der Satz will an nichts anderes erinnern, als an das berühmte Beispiel mit der Feder. Hängt man beispielsweise ein Gewicht an eine mechanische Feder, wird diese durch die Einwirkung der Gewichtskraft auseinandergezogen. Bereits damit ist das physikalische Zauberwort »Gewichtskraft« verständlich erklärt. Komplizierter ist es nicht.
Allerdings haben wir nicht vor, uns an eine Metallfeder zu hängen, um dann mit den Beinen frei in der Luft zu wedeln. Ganz im Gegenteil. Wir wollen uns draufstellen. Einfach draufstellen, und wenn man schön stillsteht, zeigt eine Nadel oder eine Skalenscheibe das Ergebnis an. Das macht sie, weil unser zartes Gewicht auf einen Federmechanismus wirkt, der wiederum die Gewichtskraft weitergibt. Der Weg der Kraft ist von diesem Punkt aus nicht mehr weit. Letztlich geht es in diesem Moment darum, die Kraft nicht nur zu spüren, sondern sie auch sichtbar zu machen – sie also auf einer entsprechenden Skala ablesen zu können.
Kraft darstellen, wie soll denn das gehen? Weil wir uns über die »Gewichtskraftmessung« unterhalten, liegt die Lösung jetzt wirklich nicht mehr in der Ferne: Über diesen Federmechanismus wird das Resultat auf einer zumeist runden Skalenscheibe angezeigt. Das geschieht bei den handelsüblichen mechanischen Personenwaagen in 0,5- bis 1-kg-Schritten. Mit einer gewissen Ungenauigkeit muss man bei diesen Modellen leben. Immerhin bewegt die Messgenauigkeit sich abhängig von Preis und Qualität der Modelle zwischen 0,1 und 3 kg. Üblich ist ein Wiegebereich bis ca. 130 kg oder 180 kg.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass stark Übergewichtige sogenannte Adipositaswaagen mit Skalen bis zu 300 kg benötigen. Der Begriff »Adipositas« bezeichnet ein starkes Übergewicht. Man spricht von Fettleibigkeit oder Fettsucht. Medizinisch indiziert werden drei Schweregrade unterschieden. Nach dem sogenannten ICD-10-Index werden noch weitere Stufen differenziert. Ob diese Krankheit durch unverhältnismäßige Kalorienzufuhr oder durch Arzneimittel induziert werden, ob sie in verschiedenen Schwierigkeitsstufen kategorisiert sind, spielt für das Ergebnis nicht wirklich eine Rolle. Ihnen allen gemeinsam bleibt, dass es sich hier um eine unter medizinischer Kontrolle zu behandelnde Form des Übergewichts handelt. Ärztliche Kontrolle ist hier zwingend. Für die zu betreuenden Patienten gibt es Waagen mit einem Wiegebereich von bis zu 300 kg.
Das hat man nun verstanden und wohlwollend zur Kenntnis genommen. Man stellt sich zum ersten Test auf die möglichst rutschfeste Tretfläche. Dabei verlagert man ein wenig sein Gewicht oder hält sich vielleicht am Waschbecken fest, und schon hat man das eine oder andere Pfund weggeschummelt. Schön wär‘s; ganz so einfach geht das natürlich nicht. Und dieser augenzwinkernde Selbstbetrug ist auch nicht der Sinn einer Personenwaage. Der diätbewusste Waagengänger möchte möglichst exakt über die eignenen Körperpfunde bescheid wissen und sich keinesfalls selbst belügen. Tatsache ist und bleibt, dass der Vorteil einer traditionellen, mechanischen Waage nicht nur im Preis, sondern auch in der einfacheren Bedienbarkeit liegt.
Dennoch, ganz ohne Bedienung geht es auch bei den robusten Analogwaagen nicht. Wichtig ist es, die Waage zunächst manuell auf den Nullpunkt einzustellen. (Wohlgemerkt: Wir sprechen davon, den Messbereich einzustellen, es geht nicht etwa darum, die Waage irgendwohin zu stellen.) Die Waage will also gewissermaßen geeicht werden, sie will kalibriert sein. Obschon ein korrekter Eichvorgang nach komplizierteren Vorgaben stattfindet, verfolgt dieser Arbeitsschritt das gleiche Ziel. Jedes Ergebnis benötigt einen korrekten Anfang. Das mag plump klingen, der Sinn dahinter ist einleuchtend: Nicht jeder Mensch wiegt sich nackt. Geht man nun davon aus, dass die Kleidungsstücke etwa 1,5 bis 2,0 kg Eigengewicht haben, so kann man der Eichscheibe dieses Gewicht gewissermaßen zuvor wegnehmen. Stellt sich der jeweils zu Wiegende nun bekleidet auf die Waage, wird sein aktuelles, unbekleidetes “Reingewicht” angezeigt. Die »textile Verpackung« ist bereits vom Ergebnis abgezogen worden. Das Wiegeergebnis wird auf der Zählscheibe unmittelbar angezeigt; man hat eine glaubhafte Zahl.
Aber es gibt einen weiteren Grund dafür, dass man diesen Nullpunkt von Zeit zu Zeit neu kalibrieren sollte: Natürlich – so wollen es die Grundlagen der Physik – haben mechanische Kräfte, die in einer Beziehung zueinander stehen, auch immer eine Wechselwirkung. Weil es hier eine Kraft gibt, die gewogen werden will und auf der anderen Seite jene Kraft, die wiegen soll, setzen sie sich voneinander abhängigen Gewichtskräften aus. Allein das kann – und wird – im Normalfall dafür sorgen, dass der Nullpunkt sich bisweilen verschiebt und entsprechend nachjustiert werden sollte. Aufwändigere Analogwaagen haben die Regelung des Nullpunktes auch aus der Überlegung, dass Federsysteme durch ihre Lebensdauer ermüden können. Dabei geht es nicht einzig um eine Dauerbelastung. Nicht benutzt zu werden kann für die Ermüdungserscheinungen metallener Bauteile verantwortlich sein. Schlussendlich bedeutet das nichts anderes, als dass auch Federn ihren Widerstand verringern und damit die geeichte Kraft pro Gewicht nicht mehr stimmt. Die Ungenauigkeit nimmt zu. Das könnte leicht zu unzuverlässigen und unstimmigen Messergebnissen führen. Sie brauchen aber exakte Daten. Denn in der Alltagspraxis möchten Sie sich mit Ihrem Kalorienhaushalt auseinandersetzen und nicht gegen die Übermüdungserscheinungen irgendwelcher Metallbauteile kämpfen. Ein vernünftiger Ernährungsplan verlangt nunmal nach ebenso vernünftigem Werkzeug. Versteckspiel war gestern – bewusste Ernährung ist heute! Und weiter geht‘s: