Sprechende Personenwaage
Nichtbetroffenen scheint die Sprachansage des Gewichtes eher ein Gimmick zu sein, vielleicht mit Spielzeugcharakter. Der anwendbare Nutzen einer »Voice in the box« scheint sich nicht jedem Menschen auf Anhieb zu erschließen. Es gibt aber eine große Bevölkerungsgruppe, der die sprechende Personenwaage unschätzbare Dienste erweist, weil sie ansonsten überhaupt nicht in der Lage wäre, sich zu wiegen: Blinde und Sehbehinderte sind auf akustische Signale angewiesen. Die Stimme des Voice-Prozessors übermittelt das Wiegeergebnis in Form einer Sprachansage. Und da viele Sehbehinderte ohnehin das Problem haben, sportlich nur sehr eingeschränkt aktiv sein zu können, ist ihnen eine Überwachung des Körpergewichtes umso wichtiger.
Hinzu kommt, dass man unter den sprechenden Personenwaagen ein größeres Angebot von Waagen mit einem Wiegebereich von bis zu 180 kg, 200 kg oder gar 250 kg findet. Dass sich aber unter den sprechenden Modellen überproportional viele Varianten im Bereich über 150 kg finden, ist bezeichnend für den bewegungsarmeren Alltag der Blinden und Sehbehinderten. Um aber keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass es sich bei der Sprachausgabe nur um eine Zusatzfunktion handelt.
Selbstverständlich – oder in diesem Falle eher »selbstredend« – verfügt die sprechende Personenwaage über die gleichen Möglichkeiten und Funktionen wie ihre Verwandten. Eine digitale Waage wird zur sprechenden Waage, weil sie einen Voice-Processor an Bord hat. Das heißt, sie kann je nach Ausstattung zur Baugruppe der digitalen Waagen, der Analysewaagen oder sonstiger Gruppen gehören. Auch ihrer Ausstattung sind kaum Grenzen gesetzt. Klar ist jedoch, dass sie per se keine rein mechanische Personenwaage sein kann, zumal allein der Voice-Processor üblicherweise mit Knopfbatterien betrieben wird. Und sobald eine Batterie an Bord ist, kann es sich nicht mehr um eine reine Analogwaage handeln. Denn das ermittelte Ergebnis muss in digitaler Form vorliegen, um es anschließend akustisch benennen zu können. Die Sprachausgabe kann je nach Modell in unterschiedlichen Sprachen erfolgen. Deutsch ist aber hierzulande als übliche Verständigung voreingestellt.
Zumal es Sehbehinderten oftmals etwas schwerer fällt, sich zu orientieren, ist es natürlich auch wichtig, Ihnen ein Gefühl von Standfestigkeit zu vermitteln. Das wiederum ist Anlass für die Hersteller, den sprechenden Personenwaagen häufig eine etwas größere Tretfläche zu verleihen. Die Größe dieser Fläche ist hilfreich, um sich standfest und selbstständig wiegen zu können. Stets auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, ist ein bisweilen belastender Aspekt, der mit der sprechenden Personenwaage dauerhaft entfällt. Einmal kalibriert lässt sie sich von Menschen mit einer extremen Sehschwäche oder gar Blindheit eigenständig nutzen.
Problematisch mag es sein, Körperanalysewaagen mit der gleichen Selbständigkeit zu bedienen. Das sicherlich ist ein Grund dafür, dass komplexe Analysewaagen in diesem Bereich seltener anzutreffen sind. Die Eingabe der Werte wäre derzeit eher die Aufgabe eines Helfers. Aber auch hier liegt die Zukunft. Ist doch bekannt, wie wenig unterschiedlich die Nutzung eines Voice-Out-Processors von einem Voice-In-Processor ist. Den Prozessor, der sprechen kann, zu einem solchen zu machen, der vielleicht die Stimme des Nutzers hören und umsetzen kann, könnte eine Anforderung an künftige Entwicklungen sein. Der Weg zu projektbezogen kommunikativen Sprachprozessoren kann auch hier nicht mehr weit sein. Versteckspiel war gestern – Problemorientierte Nutzung ist heute!